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Die Gongfu Cha Teezeremonie

Als “Gongfu Cha” bezeichnet man eine Teezubereitung, die ihren Ursprung in China hat, und ein fester Bestandteil der dortigen Kultur ist. Sie unterscheidet sich von der englischen oder friesischen Schwarzteezubereitung in vielen Punkten u.a. dadurch, dass der Tee mehrfach aufgegossen wird.

Gonfu Cha ist nicht schwierig zu erlernen. Man braucht lediglich ein wenig Übung, Blatttee und die passende Teekeramik.

Was bedeutet Gongfu Cha?

Gongfu klingt ähnlich wie Kung Fu, der chinesische Kampfsport. Beide Begriffe haben auch tatsächlich die selbe Bedeutung.

Im Chinesischen mit den Schriftzeichen “功夫” dargestellt, gibt es drei verschiedene Transliterationen/Umschriften, die sich ein wenig unterscheiden:

Gongfu / Gong Fu
Gungfu / Gung Fu
Kungfu / Kung Fu

“Eine Kunstfertigkeit, die man durch anhaltende, harte Arbeit erreichet” wäre eine passende Übersetzung für 功夫.

Diese konstante Übung benötigt man, um seine Technik zu perfektionieren. Dabei ist es einerlei, ob es um Kampfkunst, Teezubereitung, Kochen, Malen, Fussballspielen, etc. geht. Es kommt auf die Einstellung zur Sache an. Der deutsche Spruch “Übung macht den Meister” hat eine ähnliche Bedeutung wie Gongfu.

Cha ist das chinesische Wort für Tee.

Gongfu Cha / Gong Fu Cha bedeutet demnach sinngemäss, mit Ausdauer seine Teezubereitung zu verbessern oder “Übung macht den Teemeister”.

Allerdings ist Gongfu Cha mehr. Es ist eine Lebenseinstellung, die dem Tee und seiner Zubereitung einen ganz besonders hohen Stellenwert zuerkennt. Oft kann man hören, dass man für diese Art der Teezeremonie teuersten Tee und edelste Teekeramik benötigt. Das stimmt nur teilweise.

Ein Vergleich: Wer gut Klavier spielt, kann auch auf einem nicht optimalen Instrument gute Stücke präsentieren. Keith Jarrett hat sein legendäres “Köln Concert” 1975 auf einem lediglich durchschnittlichen, für Proben gedachten Konzertflügel aufgeführt, der zudem einige technische Probleme aufwies. Das hinderte ihn nicht daran, ein legendäres Doppelalbum einzuspielen. Das Köln Concert ist die weltweit meistverkaufte Soloplatte im Bereich Jazz und im Bereich Klavier.

Ähnlich ist es bei der Gongfu Cha Teezubereitung. Man kann auch mit einfachem Alltagstee und simpler Teekeramik zu guten Ergebnissen kommen, wenn man es nur richtig macht. Schöner ist es aber natürlich, mit gutem Tee und hochwertiger Keramik zu arbeiten, das steht ausser Frage.

Was man braucht:

1. gutes Wasser 
2. soliden Tee 
3. solide Teekeramik

und dazu den Willen, den best möglichen Tee zu bereiten - nicht mehr, nicht weniger!

Ob man den Tee dann aufwändig und zeremoniell, oder schlicht und einfach aufgiesst, entscheidet der Teefreund selber. Gongfu Cha hat in seiner einfachen, unprätentiösen Form im Alltag seinen festen Platz. Gerade in diesem Bereich findet Gongfu, die stetige Weiterentwicklung und Verbesserung, statt.

Typische Gongfu Cha Teekeramik: Teeschale und Gaiwan

Wie wird Gongfu Cha durchgeführt?

Es gibt eine Rahmenhandlung, die aber abgewandelt werden kann. Jeder Teefreund führt folglich seine persönliche Teezubereitung durch.

Die Idee hinter Gongfu Cha ist, dass eine rel. grosse Menge Tee mehrfach mit relativ wenig Wasser aufgegossen wird. Jeder Aufguss entfaltet dabei ein etwas anderes Geschmacksspektrum. Manche Tees lassen sich 10 x und sogar noch häufiger aufgiessen. Die Anzahl der Aufgüsse ist aber kein echtes Qualitätskriterium. 

Auch wenn diese Teezubereitung ursprünglich überwiegend für Oolong verwendet wurde - man kann alle Blatttees, also alle nicht zerkleinerten Sorten, verwenden. Blattbruch extrahiert im ersten Aufguss bereits weitgehend, und kann daher kaum für Mehrfachaufgüsse verwendet werden.

Es wird immer populärer, auch hochwertige Schwarztees aus Assam und Darjeeling mehrfach aufzugiessen. Ob man diese Art dann noch als Gongfu Cha bezeichnet oder nicht, bleibt jedem selber überlassen. Fakt ist, dass beispielsweise ein Darjeeling First Flush sehr gut für Mehrfachaufgüsse geeignet ist.

Folgende, bereits weiter oben genannten Faktoren, gilt es so zu kontrollieren, dass ein optimales Ergebnis erzielt wird:

Das Wasser

a. Die Wasserqualität
Das Wasser sollte nicht zu hart sein. Evt. einen Wasserfilter verwenden.

b. Die Wassertemperatur
In den meisten Fällen wird zu heisses Wasser verwendet, was zu herbem Tee führt. Evtl. ein Thermometer benutzen.

c. Die Ziehzeit
Ausprobieren → zu starker Tee kann verdünnt werden

Der Tee

a. Die Teequalität
Was schmeckt ist ok. Für Beginner können einfache Qualitäten durchaus ausreichen. Bedenken Sie aber auch: "Das Leben ist zu kurz, um schlechten Tee zu trinken!" 

b. Die Teemenge
Pro 100 ml mindestens 2g Tee, besser 3g oder noch mehr. Je mehr Tee verwendet wird, umso kürzer sind die Ziehzeiten, und umso mehr Aufgüsse sind möglich. Eine Feinwaage vermeidet Fehlversuche!

c. Anzahl der Aufgüsse
So lange Ihnen der Teeaufguss noch schmeckt, ist es ok. Tip: lieber ein oder zwei Aufgüsse weniger, dafür aber vollmundige.

Die Teekeramik

a. Form
Kanne oder Gaiwan

b. Material
Porzellan, Ton, oder Glas

Die einzelnen Gongfu Cha Schritte

Eine Möglichkeit der Gongfu Cha Teezeremonie / Teezubereitung besteht aus folgenden Schritten:

Schritt 1: Das Vorwärmen

Man giesst heisses Wasser in die Keramik, wartet kurz bis sie sich erwärmt hat, und giesst das Wasser dann ab.

Schritt 2: Das Befüllen mit Tee

Tee in den Gaiwan / die Teekanne geben, einen Moment warten, dann am Tee riechen. Über das Aroma des Tees kann man bereits eine erste Qualitätseinschätzung vornehmen.

Schritt 3: Der Spülgang

Nur manche Tees sollten gespült werden. Bei Puerh kann man so den teilweise sehr strengen Geschmack mildern. Gerollte Oolongs entfalten sich durch den ersten kurzen Aufguss, und werden so “geweckt” für die weitere Zubereitung. Bei allen anderen Tees ist Spülen nicht notwendig. Sie würden mit dem Waschwasser eine Menge Geschmack in den Ausguss giessen.

Schritt 4: Das Aufgiessen

Die Tees wie gewünscht aufgiessen und ziehen lassen. Viele Tees lassen mit einer Befüllung 4, 8, 12 und mehr Aufgüsse zu. Hier erkennt man, warum Gaiwan oder Teekanne so klein sind. Wer einen ausdauernden Puerh oder Oolong 12 x aufgiesst, erhält bei 100ml Gaiwanvolumen bereits 1,2l Tee. Der im anschliessenden Video gezeigte Gaiwan hat ca. 120ml Inhalt. Bei nur 4 Aufgüssen erhält man rund einen halben Liter Tee.

Schritt 5: Das Reinigen

Ein Gaiwan lässt sich einfacher als eine Teekanne reinigen, ist aber schwerer in der Handhabung.

Im folgenden Video wird das Beschriebene noch einmal gezeigt:

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