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Shino-Glasur und Teekeramik

Shino (志野釉) ist der Oberbegriff für eine Keramikglasur, die ihren Ursprung in Japan hat. Japan hat eine der ältesten Teekulturen, und so verwundert es nicht, dass Shino auch häufig für Teekeramik (Shino Ware) verwendet wurde und wird. Berühmte alte Teemeister, wie Furuta Oribe und Sen no Rikyu, waren begeistert von Shino-Glasur.

Alter Shino Chawan (um 1600)

Namensherkunft

Ob der Name auf den Teemeister Shino Sōshin zurückgeht, der im 15. Jahrhundert in Japan lebte, ist nicht mit Sicherheit geklärt, erscheint aber recht wahrscheinlich. Der Name könnte aber auch von "shiro" abgeleitet worden sein, dem japanischen Wort für "weiß".

Feldspat als wichtiger Glasurbestandteil

Hauptbestandteil von Shino ist pulverisierter Feldspat, dem ein geringer Anteil Tonerde beigemischt wurde. Feldspat ist eine Mineralstoffgruppe, die oft weiss erscheint. Entsprechend ist auch die dick aufgetragene Glasur, so wie sie noch heute gerne verwendet wird, samtig weiss, ähnlich wie Zuckerguss. Die Oberflächenstruktur ist hierbei ungleichmässig dick mit Löchern und Rissen. Wegen der Ähnlichkeit mit einer Zitronenenschale wird diese Struktur auch Zitronenhaut genannt.

Shino war die erste weisse Glasur die in Japan verwendet wurde.

Trägt man Shino-Glasur dagegen dünn auf, erscheint sie rötlich, wofür das im Ton vorhandene Eisen verantwortlich ist.

Wie Shino-Glasur entstand

Ab der Mitte des 16. Jahrhunderts wurde sie in der ehemaligen Provinz Mino und der Stadt Seto entwickelt. Möglicherweise versuchte man, die Optik von chinesichem Seladon nachzuempfinden. Falls das der Fall war, hat sich im Laufe der Zeit eine völlig andere Keramikglasur entwickelt, die mit Seladon nicht mehr gemeinsam hat als mit anderen Glasuren auch.

Dünn mit Shino glasierte Teekanne aus dem Anagama Brennofen.

Im 17. Jahrhundert geriet Shino allmählich in Vergessenheit. Wie in vielen anderen Bereichen auch, kommen und gehen Dinge. Im 19. Jahrhundert kam es zu einer nur kurz dauernden Wiederbelebung.

Ab den 1930er Jahren beschäftigten sich zwei japanische Keramiker (Toyozo Arakawa und Hajime Kato) wieder mit Shino und entwickelten eine moderne Glasur mit neuen, zusätzlichen Bestandteilen zum Feldspat.

Virginia Wirt, eine Keramikerin an der University of Minnesota, entwickelte dann 1974 eine weitere Shino Glasurformel.

Es gab und gibt also eine Evolution bei der Zusammensetzung, und im Laufe der Zeit entstanden auch weitere Shino Farbtöne. Neben weiss kann mausgrau, braun, rot, pinkfarben oder indigoblau vorkommen. Auch die Oberflächenstrktur, insbesondere bei dünn aufgetragener Glasur, kann heute deutlich anders aussehen.

Wegen dieser veränderlichen Erscheinungsformen ist es daher sinnvoller, von einer Glasurgruppe zu sprechen. Es gibt also nicht mehr nur die eine weisse Shino-Glasur mit Zitronenhaut.

Holzgebrannter Shino Chawan

Shino und Holzbrandkeramik

Shino ist zu einer der beliebtesten Glasuren vieler Keramiker geworden, die ihre Arbeiten mit Holz brennen. Waren es in Japan zunächst einkammerige Anagama-Öfen, kamen später Mehrkammeröfen (Noborigama) dazu. Heute gibt es eine Vielzahl von Weiterentwicklungen, die aber alle ein für Holzbrandkeramik typische Oberfläche entstehen lassen. Neben der vom Töpfer aufgetragenen Glasur kommt über die Holzasche eine weitere, nur bedingt planbare Glasur vom Ofen dazu.

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